Inhalt

Unsere Schulsozialarbeit

1) Unser Ansatz

Angesichts der wachsenden Zahl schulmüder Jugendlicher, der hohen Bedeutung von Schulabschlüssen, der Schwierigkeiten von Jugendlichen in einen Beruf zu gelangen und der immer noch strukturell hohen Arbeitslosigkeit junger Benachteiligter ist die Kompetenz und das pädagogische Verständnis von Fachkräften für Schulsozialarbeit an Schulen mehr und mehr sinnvoll und erforderlich. Schule sollte für die Schülerinnen und Schüler nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensort sein. Sie sind nicht allein als Lernende zu begreifen, sondern als Jugendliche mit vielfältigen Bedürfnissen und Interessen, mit unterschiedlichen sozialen Bezügen und konfrontiert mit vielschichtigen Entwicklungsaufgaben und Problemen der Lebensbe-wältigung. Diese Sichtweise eröffnet neue Chancen in der Ausbildung junger Menschen durch eine Zusammenarbeit von Schulsozialarbeit und Schule. Wenn die persönliche Lebensgestaltung der Schüler und Schülerinnen geklärt ist, dann ist auch die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht möglich.

2) Standortspezifische Gründe für die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit

Am WERKSTATT-Berufskolleg werden rund 500 Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Bildungsgängen ausgebildet. In kürzester Zeit (in der Regel in einem Jahr) sollen sie zur Bereitschaft und Fähigkeit einen Beruf zu erlernen und auszuüben, und damit zu einer Teilhabe am gesellschaft-lichen Leben geführt werden. Besonders in den Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis im ersten und zweiten Jahr und in den Berufsorientierungsklassen wird dieses Ziel immer häufiger nicht zufriedenstellend erreicht. Die häufigsten Ursachen hierfür bilden Problemkomplexe im Leben der Schülerinnen und Schüler, die über die Betreuung der Lehrkräfte im Unterricht nicht ausreichend aufgefangen werden können. Unzureichend ausgebildete soziale Kompetenzen, Integrationsprobleme von Ausländern und Asylanten, Schulverweigerung, Gewalterfahrungen in Familie und Freizeit, finanzielle Angelegenheiten sowie Sucht- und Drogenproblematik sind Ursachen, die letztendlich zu Problemen innerhalb der Schulklasse und im Unterricht führen. Die Schülerinnen und Schüler des WERKSTATT-Berufskollegs kommen überwiegend von den umliegenden Haupt-, Real- und Förderschulen des Kreises Unna, so dass sich die Lerngruppen als außerordentlich heterogen darstellen. Sie bringen unterschiedlichste Fähigkeiten und Fertigkeiten, Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen mit. Es sind junge Menschen, die sich in der schwierigen Phase des Erwachsenwerdens befinden und die am Übergang von Schule zur Berufswelt stehen. Die Lerngruppen setzen sich zusammen aus

 

  • Teilnehmern mit sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus (von der Förderschule (etwa 30%) bis zur gymnasialen Oberstufe)
  • Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (etwa 30%)
  • Schulabbrechern, die an anderen Schulen gescheitert sind
  • Teilnehmern aus schwierigen sozialen Verhältnissen
  • Jugendlichen mit fehlenden sozialen und fachlichen Kompetenzen
  • Schülerinnen und Schülern, die die Lehrgangsteilnahme als Bewährungsauflage haben (Straffälligkeit vorhanden)
  • Teilnehmern, die ein schuldistanziertes Verhalten zeigen (von Schulvermeidung bis Schulverweigerung)
  • Jugendlichen mit Lernstörungen.

 

3) Inhaltliche Ausgestaltung der Schulsozialarbeit am WERKSTATT-Berufskolleg

a) Allgemeine Grundlagen für Schulsozialarbeit

Unter Schulsozialarbeit verstehen wir eine zusätzliche pädagogische Ressource für das Berufskolleg, ein professionelles sozialpädagogisches Angebot, das durch verbindlich vereinbarte und gleichberechtigte Kooperation mit den Lehrkräften vorrangig präventiv arbeitet, d. h. in erster Linie Schwierigkeiten vermeiden hilft sowie frühzeitig Unterstützung in belastenden Situationen anbietet und nicht erst bei Problemen eingreift.

Somit sollte eine Fachkraft für Schulsozialarbeit in Kooperation mit den Pädagogen

  • die individuelle und soziale Entwicklung von Jugendlichen fördern, indem sie an der Schule Aktivitäten anbietet, durch die Schülerinnen und Schüler über das schulische Angebot hinaus ihre Fähigkeiten entfalten, Anerkennung erfahren und soziale Prozesse gestalten können
  • dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, indem sie Ausgrenzungen und dem Risiko des Scheitern in der Schule entgegenwirkt und schulisch weniger Erfolgreiche darin unterstützt, ihre Stärken zu entfalten, Ressourcen zu erschließen und Lebensperspektiven zu entwickeln
  • Lehrkräfte und Eltern in Erziehungsfragen beraten, indem sie sozialpädagogische Sicht- und Handlungsweisen in die Schule einbringt und eine Brückenfunktion zwischen den einzelnen Sozialisationsinstanzen (Mitschüler, Lehrer, Bildungsbegleiter, Ausbilder u.a.) wahrnimmt
  • Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen, indem sie an der Schule Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Lebensprobleme und Risiken leistet, zur Selbsthilfe befähigt und spezielle Hilfen vermittelt.

b) Konkrete Arbeitsbereiche für Schulsozialarbeit

Durch die ständige Präsenz der sozialpädagogischen Fachkräfte haben Jugendliche die Möglichkeit, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und sich in Problemsituationen Rat zu holen.

Einsatzorte für eine Fachkraft für Schulsozialarbeit:

a) Im unterrichtlichen Bereich bieten sich die gemeinsame Durchführung von Unterrichtsprojekten zu sozialpädagogischen Themen an (Gewalt, Sucht, Fremdsein), die Mitgestaltung von Klassenfahrten, die Beratung der Lehrer bei individuellen Lern- und Leistungsproblemen einzelner Schüler, soziales Kompetenztraining sowie die Übernahme einer Mode-ratorenfunktion bei einem schlechten Klassenklima. In der Regel geht es bei der unterrichtlichen Kooperation darum, die besondere Sicht der Sozialpädagogik als Ergänzung und Bereicherung zur schulischen Sicht einzubringen.

b) Im außerunterrichtlichen Bereich können die Aufgaben des Schulsozialarbeiters vor allem darin bestehen, geeignete Freizeit-, Betreuungs- sowie Förderangebote für die Schüler zu initiieren, um die Eigeninitiative der Schüler zu fördern, beispielsweise in Arbeitsgemeinschaften, bestimmten Freizeit- und Kulturaktivitäten sowie auch Einzelfallhilfe bei Schülern mit schul- und unterrichtsbezogenen Lern- und Leistungsstörungen. Darüber hinaus sollte der Schulsozialarbeiter Beratungsangebote für Lehrer, Schüler und Eltern unterbreiten.

c) Im außerschulischen Bereich liegen die Ressourcen des Schulsozialarbeiters vor allem in einem Beitrag zur Öffnung der Schule. Dazu gehört die Berufsorientierung, -vorbereitung und -findung. Hier können Lehrer und Schulsozialarbeiter ihre spezifischen Erfahrungen und Kompetenzen in einen kooperativen Arbeitsprozess zum Nutzen der Schüler einbringen. Angebote der Fachkraft für Schulsozialarbeit freizeitpädagogische Projekte zur Ergänzung des schulinternen Unterrichtsgeschehens durch Maßnahmen und Angebote der offenen Jugendarbeit problembezogene fürsorgerische Projekte zur Arbeit mit Jugendlichen in Problemsituationen durch individuelle Angebote, Gruppen-angebote und offene Förderangebote unterstützende Projekte für alle SchülerInnen, um ihnen einen gangbaren Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen